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Geographie und Wirtschaftskunde
Warum der Ätna harmlos ist
Er gehört zu den aktivsten Vulkanen der Welt, und dennoch macht er selten von sich reden. Nur wenn er seinen regelmäßigen Trott unterbricht und spektakuläre Lava-Fontänen spuckt, blickt die Welt fasziniert nach Sizilien. Grund zu ernsthafter Sorge gibt es jedoch nicht, denn der größte Vulkan Europas gehört auch zu den harmlosesten der Welt.

Es gibt kaum einen Vulkan auf der Welt, in dessen Nähe es sich besser leben lässt. Der Ätna ist harmlos, Töten ist seine Sache nicht, und von seinen regelmäßigen Ausbrüchen profitiert insbesondere die lokale Tourismusbranche.

Der Ätna, dessen Name aus dem Indogermanischen stammt und soviel wie "in Brand geraten" bedeutet, regte sich zum ersten Mal vor rund 600 000 Jahren. Damals gab es dort, wo heute der Ätna in die Höhe ragt, nur eine flache Bucht. Infolge der Kollision Afrikas und Europas laufen hier mehrere, unterschiedlich orientierte Störungssysteme zusammen und öffnen Spalten, die bis in den oberen Erdmantel reichen.

Vulkanische Tätigkeit wird ja immer wieder gerne am Beispiel der Sektflasche beschrieben. Schüttelt man die Flasche, werden gelöste Gase freigesetzt, die aufgrund ihres größeren Volumens zu einem Druckanstieg führen. Fliegt der Korken heraus, entspannt sich der Druck schlagartig und es kommt zu einer explosionsartigen Entgasung.

Klassisches Beispiel für einen platzenden Sektkorken ist der Mount St. Helens im US-Bundesstaat Washington, der am 18. Mai 1980 nach 120 Jahren Ruhe einen großen Teil seines Gipfels wegsprengte und einen 750 Meter tiefen Krater schuf. Er schleuderte 2,7 Kubikkilometer Gestein in die Umgebung und verwüstete eine Fläche von der Größe Kölns. Um die gleiche Wirkung zu erhalten, hätte man theoretisch auch im Sekundenabstand 27 000 Atombomben des Hiroshima-Typs zünden können.

Die Bewohner Siziliens können indes weiterhin ruhig schlafen, denn jedes Rumoren ihres Ätna ist ihnen Versicherung, dass der höchste Vulkan Europas eben keinen explosiven Charakter hat. Denn die tiefreichenden Störungen bleiben langfristig offen. Man könnte den Ätna mit einer Flasche Federweißer vergleichen, deren Deckel nur leicht aufgeschraubt ist, um allzu großen Druckanstieg zu verhindern.

Lava ist nicht gleich Lava

Die plattentektonische Situationen von Mount St. Helens und Ätna sind - prinzipiell jedenfalls - gar nicht so unterschiedlich. Beide Vulkane liegen in Regionen, wo zwei tektonische Platten kollidieren und sich die eine unter die andere schiebt. Im Westen Nordamerikas schiebt sich die pazifische Juan-de-Fuca-Platte unter die Nordamerika-Platte, während in Südeuropa Afrika auf Europa stößt. So türmen sich dort die Kordilleren auf und hier die Alpen.

Doch es gibt maßgebliche Unterschiede zwischen den beiden Vulkanen. Am bedeutsamsten für die Heftigkeit vulkanischer Ausbrüche ist die Viskosität ihrer Magmen. Je zähflüssiger sie ist, umso dichter verschließt sie den Schlot. Der Druck aus der tief liegenden Magmenkammer steigt und steigt, bis es zu einer Entlastung kommt. Dann ist die in Form gelöster Gase gespeicherte Energie aber so hoch, dass eine katastrophale Explosion geradezu vorprogrammiert ist. Solche Vulkane zeichnen sich durch lange Ruhephasen aus und brechen - wie im Fall Mount St. Helens - beinahe ohne jede Vorwarnung aus.

Der Grund für die Zähflüssigkeit derlei dacitischer Magmen ist ihr hoher Gehalt an Silicium. Deshalb sind viele Vulkane, die auf kontinentaler Kruste gelegen sind, so gefährlich. Vulkane, deren Magma aus großer Tiefe stammt, nämlich aus dem oberen Erdmantel, sind hingegen meist weniger explosiver Natur. Der Grund: Sie fördern basaltische Magmen, die vergleichsweise wenig Silicium enthalten und dementsprechend flüssiger sind. Die Vulkane von Hawaii sind dafür beispielhaft - und eben auch der Ätna, dessen Schlote in 70 bis 120 Kilometer Tiefe reichen.

Zuverlässiger Berg

Doch obwohl die Bedrohung durch heftige Ausbrüche des Ätna gering ist, kann er mit der langsamen aber unaufhaltsamen Gewalt seiner Lavaströme große Zerstörungen anrichten. Normalerweise zeigt sich die Aktivität des Ätna durch harmlose Schauspiele in den derzeit vier Gipfelkratern. Ab und an öffnen sich unter dem Druck der aufsteigenden Magma allerdings Bruchzonen an den Flanken des Vulkans, die den Störungen im Untergrund folgen.

Und genau dies geschah in den frühen Morgenstunden des 17. Juli 2001. An der Südflanke kam es in 2100 Metern Höhe zu heftigen Eruptionen, die Seismografen verzeichneten Tausende kleiner Erdbeben, und alsbald strömten Lavaströme mit 20 bis 30 Metern pro Stunde talwärts. In den folgenden Tagen öffneten sich insgesamt fünf Spalten, aus denen in jeder Sekunde bis zu 20 Kubikmeter 1100 Grad Celsius heiße Lava ausflossen. Bis zu 70 Meter schoss sie dabei in die Höhe und sorgte für ein nächtliches Spektakel. Der Druck in den Hauptkratern sank so sehr ab, dass ihre Aktivität fast vollständig zum Erliegen kam.

Trotz aller Bemühungen, die glühenden Walzen durch große Mengen Wasser abzuschrecken oder an aufgeschütteten Wällen umzuleiten, waren eine Reihe von Häusern nicht zu retten. Doch selbst die 5276 Einwohner der am stärksten bedrohten Ortschaft Nicolosi lassen sich nicht aus der Ruhe bringen. Wenngleich sie jederzeit bereit sind, sich der Macht des Berges zu beugen, ihr Leben sehen sie nicht bedroht.

Joachim Schüring

Quelle: Wissenschaft Online , 26.7.2001


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