Geographie ThemenDidaktikSoftwareLehrplanSuchen
 
Login DatenRegionalesMedienGEO-LinksKontakteForum Geographie

Startseite Geographie


zurück zur Eduhi Startseite
 
Geographie und Wirtschaftskunde
Libyens Wasserreserven durch Großprojekt bedroht

Unter der Sahara lagert ein riesiger Wasserschatz. Libyen versucht mit dem "Great-Man-Made River Project" an den Großteil des wertvollen Nass heranzukommen. Doch bei genauem Hinsehen hat das Großprojekt seine Tücken. Die ökologischen Auswirkungen dürften beim Bau kaum bedacht worden sein.

Grün solle das Land werden, so grün wie die libysche Flagge ist. Und das Leben spendende Nass soll von da kommen, woher man es am wenigsten erwartet, aus der Wüste Sahara. Was dazu notwendig ist? Nichts weniger als ein "achtes Weltwunder", so Muammar Gaddafi, das in Libyen den Namen "The Great Man-Made River" trägt.

Wasserpipelines aus der Sahara

Tief aus der Sahara führen die Wasserpipelines nach Benghasi und Syrte, um den Menschen das "nasse Gold" zu bringen. Ebenfalls auf die Suche nach den Schätzen der Wüste macht sich jetzt ein Team der Grazer Filmproduktionsfirma "Science Vision".

Michael Schlamberger will bis April zwei Dokumentationen über Libyen fertig stellen. Die eine wird das libysche Tierleben zeigen, die andere widmet sich dem libyschen Vorzeigeprojekt, einer gigantischen Bewässerungsanlage, die Wüstenwasser in die Küstengegenden schafft.

120 Millionen Jahre altes Wasser

Das Geheimnis der Wüste liegt unter einer schier unendlichen Menge von Sand begraben. Hier finden sich riesige Erdölvorkommen und auch Millionen von Tonnen an fossilem Wasser. Denn nicht immer war die Sahara eine Wüste. Im Gestein unter dem Sand ist bis zu 120 Millionen Jahre altes Wasser eingelagert. Aus diesem Reservoir speisen sich nicht nur die Brunnen der Oasen, sondern auch richtige Seen in der Wüste bei Mandra oder im Wau an Namus. Auch wenn es Jahrzehnte nicht regnet, verschwinden die Seen nicht. Millionen Kubikmeter an Wasser verdunsten, doch die Gewässer werden aus dem Untergrund gespeist, sie trocknen nicht aus.

Expedition ins Ungewisse

Auch die älteste Oase der Welt, Ghadames, - einst ein wichtiger Stützpunkt für Handelskarawanen, die die Sahara querten -, erhält ihr Wasser aus diesem Reservoir. Doch hier beginnt der Wasserspiegel in den Brunnen schon zu sinken. Grund dafür könnte der "Great Man-Made River" verantwortlich sein.

1991 wurde die Wasserpipeline eröffnet. Über 1.200 Kilometer strömt das Wasser, das aus 500 bis 600 Meter tief liegenden Grundwasserreservoirs gepumpt wird, in gewaltigen Mengen von Khuffra, nahe dem Tschad, nach Norden: der "Fluss aus Menschenhand" führt doppelt so viel Wasser wie die Themse.

Süßwasser in Hülle und Fülle

Die beim Bau verwendeten Rohrsegmente, von denen jedes einzelne einen Durchmesser von vier Metern hat und 7,5 Meter lang ist, wiegen je 73 Tonnen. Die Vision der Wüstensöhne: Den Menschen soll Süßwasser in Hülle und Fülle zur Verfügung stehen; die libysche Landwirtschaft soll so entwickelt werden, um das Land von Lebensmittelimporten unabhängig zu machen.

Technische Probleme und hohe Baukosten

Doch bei genauem Hinsehen hat das Großprojekt seine Tücken. "Da wird irrsinnig viel Wasser verschwendet", meint Michael Schlamberger. Auch die Baukosten seien mit 64 Milliarden Dollar viel zu hoch. Und obwohl erst zwei der geplanten fünf Baustufen verwirklich sind, gibt es bereits technische Probleme: Nur zwei Pipelines wurden bisher gebaut, aber eine Verbindungspipeline zwischen dem Südosten und Südwesten Libyens ist überhaupt erst in Planung.

Der eine fertige Zweig des "Great Man-Made River" ist nur zu einem Fünftel ausgelastet, der andere musste in den letzten Monaten mehrmals geschlossen werden, weil die Betonrohre vom salzigen Sand schon so korrodiert sind, dass die Wasserpipeline mehrfach undicht wurde. Wer dafür Verantwortung trägt, ist kaum zu eruieren: die libyschen Bauherren, die britischen Planer oder die südkoreanischen Baufirmen?

Kaum ökologische Auswirkungen bedacht

Auch die ökologischen Auswirkungen dürften beim Bau des "Great Man-Made River" kaum bedacht worden seien. "Man kann Landwirtschaft nicht auf der Basis einer nicht erneuerbaren Ressource entwickeln", meint Wolfgang Pekny von Greenpeace Österreich.

Das Projekt hat kaum das Interesse internationaler Umweltschutzorganisationen erregt, im libyschen Land selbst gibt es keine Prostete: Erstens ist das Land eine Diktatur, zweitens wird ökologischen Problemen noch überhaupt keine Beachtung geschenkt.

Da sich das Tiefenwasser der Sahara nicht erneuern kann, sind die Auswirkungen aber abzusehen: Die Libyer graben nicht nur sich selbst das Wasser ab, sondern auch ihren Nachbarn und hinterlassen eine wüste Wüste. Die Tendenz ist deutlich zu erkennen: Die Sahara wächst jeden Tag um 50 Quadratkilometer.

Größte Sandkiste der Welt

An sich ist die Sahara die größte Sandkiste der Welt: Rund 1.600 Kilometer erstreckt sie sich von Nord- nach Zentralafrika, 5.100 Kilometer dehnt sie sich von West nach Ost aus. Was nicht immer so war: Libyen galt als die Kornkammer des Römischen Reiches, erst um Christi Geburt begann die Wüste zu wachsen.

Dennoch findet man noch mitten in der Wüste vom Akkus- und Tassiligebirge bis hin zum Eunedigebirge nahe dem Tschad und dem Gilfhelirgebirge an der ägyptischen Grenze Felszeichnungen, die bis zu 10.000 Jahre alt sind und Tiere zeigen, die im einst grünen Land lebten: Gazellen, Krokodile, Elefanten. Heute ist die Libysche Wüste der trockenste Teil der Sahara, kaum Oasen, Sanddünen mit bis zu 120 Meter Höhe. Die Temperaturen sind extrem, schwanken zwischen dem Gefrierpunkt bei Nacht und Tageshöchstwerten von rund 50 Grad im kaum vorhandenen Schatten. Regen gibt es nur äußerst selten.

Originalartikel: Erschienen in der jüngsten Ausgabe des Universum-Magazines

Quelle: ORF ON, 15.3.2001


Partner
Partner
 

Info
Impressum
Kontakt
Geo-TV Neue Einträge Lehrerfortbildung Rätsel
Hits: Hits seit dem 27.03.2001
Land Oberösterreich Verein der OÖ Schulsponsoren Raiffeisen Oberösterreich Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur