Linz unter dem Hakenkreuz

Keine andere österreichische Stadt wurde vom Nationalsozialismus stärker geprägt als Linz. Noch heute sind die Spuren der NS-Zeit im Linzer Stadtbild deutlich zu sehen. Schon vor 1938 war Linz das Zentrum der illegalen Nationalsozialisten. Hitler selbst ernannte Linz, die Stadt, in der er einen Teil seiner Kindheit und Jugend verbracht hatte, zur Patenstadt des Führers. Der begeisterte Empfang den Tausenden Linzer den einmarschierenden deutschen Wehrmachtstruppen und Hitler persönlich bereiteten, war die Grundlage für den sofort vollzogenen „Anschluss“ und den zweifelhaften Ehrentitel für Linz „Gründungsstaat des Großdeutschen Reiches“.

Wichtige NS- Leute waren in Linz geboren. Die Rüstungsindustrie, die hier unmittelbar nach dem Anschluss gegründet worden waren, machte Linz in den späteren Kriegsjahren zu einem bevorzugten Angriffsziel der alliierten Bomber.

Auf folgende Aspekte möchte ich nun näher eingehen:

Adolf Hitler und Linz
Adolf Hitler wurde am 20.April 1889 in Braunau geboren. Im Alter von 10 Jahren kam er mit seiner Familie nach Leonding. Dort besuchte er zunächst noch die Volksschule. Im Herbst 1900 begann er an der Realschule in der Steingasse in Linz. Weil er ein ziemlich schlechter Schüler war, musste er 1904 die Realschule in Linz verlassen. Er wechselte an die Realschule in Steyr, wo er bei Kosteltern wohnte. Auch dort blieben seine Schulerfolge aus, deshalb kehrte er wieder nach Linz zurück. 1905 übersiedelte Frau Hitler – ihr Mann war bereits gestorben- mit ihrem Sohn in die Humboldstraße, zwei Jahre später nach Urfahr, was damals noch nicht nach Linz eingemeindet war. 1908 verließ Hitler nach dem Tod seiner Mutter Linz, um in Wien an der Akademie der Bildenden Künste zu studieren. Hitlers Schulzeit in Linz war geprägt von deutschnationalem Gedankengut. Die Aufführungen der Wagner Opern im Linzer Landestheater hatten Hitlers Liebe zum Germanenkult geweckt. Gegenüber Wien, das Hitler stets als Wasserkopf, in dem zu viele Juden, Tschechen und Polen lebten, bezeichnete, hatte Linz in Hitlers Herz und Denken stets die Vorzugsstellung. Deshalb bestand der Führer auch darauf, dass die NSDAP während der Zeit der Illegalität ihren Sitz in Linz hatte.

Neben Berlin, München, Hamburg und Nürnberg war Linz die einzige österreichische Stadt, die als „Führerstadt“ galt und deshalb eine bevorzugte bauliche Neugestaltung erfahren sollte. Seit dem „Anschluss“ am 13.März 1938 galt Linz außerdem als „Gründungsstadt des Großdeutschen Reiches“. Linz sollte nach Hitlers Willen eine Weltstadt werden und als schönste Donaustadt Wien und Budapest in den Schatten stellen. Ab März 1938 sind neun Besuche Hitlers in Linz sicher nachzuweisen. Für Linz und seine Galerie ließ Hitler in ganz Europa Kunstwerke zusammenkaufen oder rauben, denn Linz sollte das europäische Kunstzentrum werden. Noch im April 1945 ließ sich Hitler im Führerbunker das Modell von Linz zeigen.

Der "Anschluss"
In Österreich war bereits im März 1933 das Parlament ausgeschaltet worden und nach dem Bürgerkrieg im Februar 1934 war Österreich endgültig zu einer Diktatur geworden. Nur ein Drittel der Bevölkerung stand hinter dem neuen Staat und die wirtschaftliche Lage war miserabel. Ungefähr ein Drittel der österreichischen Bevölkerung liebäugelte schon seit der Machtergreifung Hitlers in Deutschland im März 1933 mit einer Vereinigung der beiden Staaten.

Der österreichische Bundeskanzler Schuschnigg hatte auf Drängen Hitlers schon Nationalsozialisten in sein Kabinett nehmen müssen. Für den 13. März 1938 hatte er eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit Österreichs angesetzt. Am 10. März 1938 erhielt die achte Armee der deutschen Wehrmacht den Marschbefehl zum Einmarsch in Österreich. Nach einem deutschen Ultimatum setzte Schuschnigg am folgenden Tag die Volksabstimmung ab. Zur gleichen Zeit wurden auf der Linzer Landstraße die ersten Hakenkreuzfahnen gehisst. Gauleiter Eigruber begab sich ins Landhaus, um dort die Geschäfte des Landeshauptmannes zu übernehmen. Sepp Wolkerstorfer, der Kreisleiter der NSDAP, begann als Linzer Bürgermeister zu amtieren.

Am Abend des 11. März hielt Schuschnigg seine berühmt gewordenen Ansprache an das österreichische Volk, in der erklärte: „Wir weichen der Gewalt.“ In Linz waren schon im Laufe des Tages alle wichtigen Gebäude von Nationalsozialisten besetzt worden. Am Abend fand auf dem Linzer Hauptplatz eine riesige Freudenkundgebung mit angeblich 50.000 Teilnehmern statt. Am 12. März passierte um acht Uhr Morgens die deutsche Wehrmacht die deutsch-österreichische Grenze. Gegen Mittag erreichte sie Linz, wo sie von einer jubelnden Menge mit Blumen begrüßt wurde.

Als Hitler am gleichen Tag um 19 Uhr in Linz eintraf, war der Jubel der Massen auf der Straße unbeschreiblich. Es waren nicht nur NS-Parteigenossen, die immer wieder „Ein Volk, ein Reich, ein Führer“ schrien, sondern halb Linz wollte sich –erfasst von einer Massenhysterie“- kritiklos „dem Führer“ anvertrauen. Vom Balkon des Linzer Rathauses hielt Hitler eine kurze Rede, in der er seine Ergriffenheit über den jubelnden Empfang und seine Verbundenheit mit seiner Heimatstadt betonte. Erst hier fasste er den Entschluss, den „Anschluss“ sofort und zur Gänze zu vollziehen. Am 13. März teilte er diese Idee bei einem Mittagessen im Hotel Weinzinger an der Donaulände (heute Generali- Gebäude) den zehn „verdienstvollsten und treuesten“ österreichischen Nationalsozialisten mit. Zu diesen gehörten Sepp Wolkerstorfer, Franz Langoth und August Eigruber. Hitler verkündete: „Österreich ist ein Teil des deutschen Reiches.“ Dieser Gesetzestext wurde prompt nach Wien geliefert, wo er von der Regierung rasch unterzeichnet wurde. Der „Anschluss“ war vollzogen. Nach diesen Jubelbildern konnte der Rest der Welt nur schwer gegen eine Besetzung Österreichs durch die Deutschen protestieren.

Die "Volksabstimmung"
Sofort nach dem „Anschluss“ wurde das österreichische Bundesheer in die deutsche Wehrmacht eingegliedert und auf den Oberbefehlshaber Adolf Hitler vereidigt. Für den 10. April hatte Hitler eine Volksabstimmung über die Wiedervereinigung Deutschlands und Österreichs angesetzt. Diese nachträgliche Zustimmung war natürlich eine reine Farce.

Von Anfang an lehnte Hitler eine internationale Überwachung des Abstimmungsvorganges ab.

Die Propaganda setzte sofort und umfassend ein, um den Österreichern noch rechtzeitig vor der Wahl die „positiven und sozialen“ Seiten des Nationalsozialismus vor Augen zu führen: Österreichische Kinder durften zur Erholung nach Deutschland fahren, in Deutschland wurde für Not leidende Österreicher Geld und Gewand gesammelt. Linz erhielt 100 Zentner Fleisch- und Wurstkonserven, 61 Zentner Zucker und 264 Zentner andere Lebensmittel.

Leute, die sich kritisch zum neuen System äußerten, wurden sofort verhaftet. Viele Prominente, wie z. B. der Gründungskanzler der Ersten Republik, Dr. Karl Renner, und die österreichischen Bischöfe machten Werbung für den „Anschluss“. Wahlberechtigt waren natürlich nur Menschen „deutschen Blutes“. Juden oder mit Juden verheiratete Personen waren von vornherein ausgeschlossen. Außerdem waren die Wahlzettel teilweise manipuliert und die Stimmabgabe wurde überwacht. Es blieben also nur die Ja-Sager übrig. In Linz waren 81.644 Personen stimmberechtigt. 99, 5 % waren zur Abstimmung gegangen, davon hatten 99,92 % mit Ja gestimmt, nur 66 Leute hatten es gewagt, das Nein, welche viel kleiner geschrieben war, anzukreuzen. Bürgermeister Wolkerstorfer freute sich über das beste Ergebnis einer deutschen Großstadt.

Leute, die mit Nein gestimmt hatten, wurden genau untersucht und verfolgt.

Die Patenstadt: Hitlers Baupläne für Linz
Wie schon erwähnt fühlte sich Hitler Linz ganz besonders verbunden und hatte Großes mit dieser Stadt vor. 1938 hatte Linz ungefähr 120.000 Einwohner. In zwei Etappen sollte die Stadt auf 320.000 bzw. 420.000 Einwohner anwachsen. Damit für die vielen Menschen Platz war, wurden deshalb zunächst umliegende Gemeinden eingemeindet. St. Magdalena und Ebelsberg wurden Teil von Linz, damit wuchs das Stadtgebiet von 56 auf 96 km2 an. Die Planungen für den Ausbau von Linz setzten unmittelbar nach dem „Anschluss“ mit großer Vehemenz ein. Schon am 13. März 1938 versprach Hitler den Bau einer neuen Donaubrücke. Tatsächlich wurde die Nibelungenbrücke auch 1940 bereits fertiggestellt. Die Pläne für Linz können in folgende Gruppen zusammengefasst werden.

Das Konzentrationslager Mauthausen und seine Außenlager
Gauleiter Eigruber verkündete am 29.März 1938 begeistert, dass Oberösterreich das Konzentrationslager für alle österreichischen Volksverräter bekommen sollte. Tosender Applaus begleitete diese Ankündigung. Bereits am 8. August wurden die ersten Gefangenen aus dem KZ Dachau nach Mauthausen überstellt.

Mauthausen war wegen der Steinbrüche und des reichhaltigen Lehmbodens, der sich hervorragend zur Ziegelherstellung eignete, als Standort ausgewählt worden.

Die Gefangenen sollten das Baumaterial für die Linzer Prachtbauten beschaffen. Außerdem rechnete die NS-Führung damit, bei Kriegsausbruch noch mehr Haftraum zu brauchen. Die Zahl der Inhaftierten stieg bis 1944 auf 73.000 Personen an.

In der Stadt Linz befanden sich drei Außenlager.

Das Lager I bestand schon seit 1942 auf dem Gebiet der Reichswerke Hermann Göring, hier lebten über 800 Gefangene, die vor allem die anfallende Hochofenschlacke verarbeiten mussten. Bei einem Luftangriff 1944 wurde es weitgehend zerstört und aufgelöst.

Das Lager II befand sich im Märzenkeller unter dem Bauernberg. Die Häftlinge mussten die Stollenanlagen ausbauen. In den Stollen waren sie auch untergebracht. Das Lager III wurde auch auf dem Gebiet der heutigen Voest errichtet. Hier waren bis zu 5600 männliche Gefangene untergebracht und beschäftigt. Sie waren bei der Panzerproduktion in den Eisenwerken Oberdonau eingesetzt, weil dieser Betrieb trotz eines 60%igen Ausländeranteils an den Beschäftigten unter ständigem Personalmangel litt. Lager III war das größte innerhalb von Linz.

In der Endphase des Krieges wurden Tausende Häftlinge aus Mauthausen und seinen Nebenlagern für Aufräumungsarbeiten nach Bombenangriffen, insbesondere zur Aufrechterhaltung des Eisenbahnverkehrs herangezogen. Insgesamt waren mehr als 190.000 Menschen aus allen möglichen Ländern und wegen aller möglichen Gründe nach Mauthausen eingewiesen worden. Systematischer Terror, gezielte Tötungsaktionen, Arbeitsausbeutung, mangelnde Ernährung, unzureichende Bekleidung und fehlende medizinische Versorgung führten zum Tod von ca. 100.000 Gefangenen.

Juden in Linz
Mit der Industrialisierung in der Mitte des 19. Jahrhunderts waren vermehrt Juden nach Oberösterreich gezogen. Vor allem Urfahr hatte sich zu einem Zentrum der jüdischen Schnapsproduktion entwickelt. Den Katholiken war nämlich die Erzeugung dieses „teuflischen“ Getränkes noch immer verboten.

Um 1900 lebten in Linz ca.700 Juden, in ganz Oberösterreich 1100. Linz war der Sitz einer eigenen Kultusgemeinde, die Synagoge befand sich in der Bethlehemstraße.

Antisemitismus gab es auch schon vor den Nazis, sogar der Linzer Bischof Gföllner wetterte in einem Hirtenbrief 1933 heftig gegen den jüdischen Weltgeist. Die Nationalsozialisten verbreiteten auch schon während ihrer Illegalität ihre rassistische Propaganda. Jüdische Unternehmer wurden wiederholt als Ausbeuter und Blutsauger beschimpft. Die noch illegalen Nazis legten Listen jüdischer Unternehmer und ihres Vermögens an.

Sofort nach der Machtergreifung ging man gegen die Juden vor. Ihre Geschäfte und ihr Vermögen wurden beschlagnahmt. Sie selbst wurden verhaftet und nach Dachau gebracht. Drei Mitglieder der bekannten Unternehmerfamilie Spitz begingen Selbstmord. Gleich nach dem „Anschluss“ erschien eine Anzeige in der Zeitung, dass die Firma Kraus und Schober arisiert sei. Jüdische Kinder durften die normalen Schulen nicht mehr besuchen, sie mussten in die Judenschule im Waaghaus in der Altstadt gehen. In der sogenannten „Reichskristallnacht“ ging auch die Synagoge in Linz in Flammen auf.

Leopold Mostny, Urfahraner Ehrenbürger, der stets sehr sozial und um das Gemeinwohl besorgt gewesen war, -er hatte unter anderem den Grund für die Erbauuung der Jahnschule hergeschenkt,- wurde 100jährig noch in das KZ Theresienstadt gebracht, wo er bald darauf starb. Ungefähr 300 jüdischen Menschen gelang die Flucht. 145 wanderten nach Israel aus, knapp 100 in die USA, 45 nach Großbritannien. Insgesamt haben in Oberösterreich vor Ort nur 26 jüdische Personen überlebt, die meisten hatten in einer Mischehe gelebt und hatten daher gegenüber anderen doch gewisse Privilegien. Die Zahl der Rückkehrer war spärlich. Fünf wanderten zurück, acht hatten das KZ überlebt und zogen wieder nach Linz.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges lebten kurze Zeit Tausende ostjüdische Vertriebene und Flüchtlinge als „Displaced Persons“ in den großen Lagern am Bindermichl und in Ebelsberg in Linz. Die meisten wanderten aber nach der Staatsgründung Israels 1948 weiter. Simon Wiesenthal gründete in Linz das Zentrum für Jüdische Historische Dokumentation. Deshalb erlangte Linz für die historische Forschung besondere Bedeutung.

Erst vor sehr kurzer Zeit erinnerte sich die Stadt Linz ihrer ermordeten jüdischen Mitbewohner und benannte Straßen nach ihnen. In der Mostnystraße befinden sich das Altstoffsammelzentrum und das Tierheim. Nach der Familie Spitz und nach dem Präsidenten der jüdischen Kultusgemeinde Karl Schwager sind zwei kleine Wege in der Nähe des Volkshauses Dornach benannt.

Die Tötung „lebensunwerten Lebens“
Die Landes- und Pflegeanstalt Niedernhart hatte den dreißiger Jahren auf beachtliche Erfolge mit der „Arbeitstherapie“, die der ärztliche Leiter Dr. Josef Böhm eingeführt hatte, erzielt und sich damit einen rundum sehr guten Ruf erworben. Der „Anschluss“ brachte für die Psychiatrie große Veränderungen.

Menschen die keinen sichtbaren oder messbaren Nutzen für den Staat bringen konnten, hatten im NS-System keinen Platz. Schwachsinnige, Epileptiker, Schizophrene, körperlich Missgebildete, erblich Blinde, ...... waren in Deutschland sofort nach der Machtergreifung Hitlers per Gesetz zwangssterilisiert worden. Diese Gesetze galten nun auch für Österreich.

Ende 1938 begann man mit der Kindereuthanasie, im Juli 1938 mit der Erwachseneneuthanasie. Man rechnete aus, was diese Leute dem Staat kosteten, dass man ihre Plätze und Pfleger sinnvoller für Lazarette verwenden könnte und beschloss daher, diese Menschen umzubringen.

Neue Leiter von Niedernhart und Hartheim wurden Dr. Lonauer und Dr. Renno. Schloss Hartheim bei Alkoven, wo sich übrigens 2003 eine Landesausstellung mit dem Thema befassen wird, wurde für Österreich zum Ort des Grauens. Zu Ostern 1940 wurde mit der Tötung der Patienten begonnen.

Niedernhart war manchmal Durchgangsstation, bzw. oft Tarnadresse für den eigentlichen Bestimmungsort.

Meist wurden die Behinderten in Hartheim vergast, die Angehörigen bekamen eine Sterbeurkunde mit falschen Angaben. Weil die Bevölkerung mit diesen Aktionen absolut nicht einverstanden war, sich immer mehr Unmut darüber regte, und auch die Kirchen heftig protestierten, wurde die Tötung Geisteskranker offiziell eingestellt. Heimlich und unter noch größeren Tarnaktionen ging die Ermordung aber weiter und zwar nun auch in Niedernhart selbst.

Die Leiter des Krankenhauses hatten den Ehrgeiz, alle Patienten loszuwerden, damit sie die Betten verwundeten Soldaten zur Verfügung stellen konnten.

Nach Kriegsende beging Dr. Lonauer mit seiner Familie Selbstmord. Dr. Renno tauchte unter und konnte deshalb nie zur Verantwortung seiner Verbrechen vor Gericht gestellt werden.

Der Ausländereinsatz
Bereits ab Mai 1939 spielten tschechische und slowakische Bauarbeiter eine wichtige Rolle beim Bau. 2000 Männer waren im Lager Schlantenfeld bei St. Magdalena untergebracht. Jeden Morgen zogen sie zu einer Großbaustelle und arbeiten dort bis zum späten Abend.

Mit Kriegsausbruch verschärfte sich die Situation am Arbeitsmarkt.

Die österreichischen Männer mussten in den Krieg ziehen, also brauchte man jede Menge Arbeiter, meist Zwangsarbeiter aus anderen Ländern.

Im September lebten 20.541 ausländische Arbeitskräfte in Linz. Die Hälfte waren Italiener, die mit Mussolini nicht einverstanden waren und deshalb zur Zwangsarbeit geschickt worden waren. Es waren aber fast 25 Nationen unter den Zwangarbeitern vertreten. Nur 740 Facharbeiter lebten in Privatquartieren, der Rest war in Baracken- oft unter katastrophalen Bedingungen- untergebracht.

1943 gab es in Linz 84 solcher Lager.

Kriegsgefangene Russen wurden vor allem im Lager Auhof untergebracht. Der Großteil der Zwangsarbeiter war männlich, aber es gab sogar eigene Frauenlager. Eingesetzt wurden diese Menschen in fast allen Bereichen, nach den Bombenangriffen vor allem auch zu Aufräumarbeiten und zur Entschärfung von Blindgehern.

Ab 1944 wurde die Wochenarbeitszeit für alle Beschäftigten auf 72 Stunden ausgedehnt.

In manchen Betrieben betrug der Anteil der ausländischen Arbeitskräfte 60 und sogar 70 %.

All diese Menschen bekamen fast nichts bezahlt und wurden außerdem oft äußerst schlecht behandelt und teilweise sogar verprügelt.

Die Firmen, die solche Menschen beschäftigten, sparten sich so viel Geld. In den fünfziger Jahren wurde zwischen Magistrat Linz und verschiedenen Firmen heftig über Zahlungen gestritten, dann ließ man die Sache einschlafen. Erst in den letzten Jahren wurde wieder über Entschädigungszahlen der noch Überlebenden diskutiert. Momentan befassen sich Historikerkommissionen und ein Auftragswerk des Landestheaters mit diesem Thema.

Das Ende
Lange Zeit waren viele Linzer besonders begeistert vom Nationalsozialismus. Das änderte sich aber je deutlicher Linz die Folgen des Krieges spürte, die Rationierung von allen Lebensmitteln und anderen Gebrauchsgütern des Alltages und die damit verbundenen Preissteigerungen waren schon unangenehm, die Auswirkungen der Fliegerangriffe aber noch viel schlimmer.

Zwischen Juli 1944 und April 1945 gab es auf Linz 22 Fliegerangriffe. Linz war vor allem wegen seiner Schwerindustrie zum bevorzugten Ziel der alliierten Bomber geworden.

Als trauriges Ergebnis von 22 Bombenangriffen blieben
691 total beschädigte,
1174 schwer beschädigte,
1284 mittel und
8935 leicht beschädigte Häuser zurück.
Das war ein Drittel des Linzer Häuserbestandes.

20.000 Menschen waren obdachlos geworden. Schwerer als die materiellen Schäden wogen die 1679 Toten und die annähernd gleich hohe Zahl an Schwer- und Leichtverletzten. Ein besonders trauriges Ereignis war der Bombenangriff vom 16. Oktober 1944 gewesen. In der Dürnbergerschule waren 40 Berufsschülerinnen ums Leben gekommen. Eine Gedenktafel in der Otto-Glöckl-Schule erinnert daran. Obwohl das Ende schon abzusehen war und in Wien bereits eine provisorische österreichische Regierung zusammengetreten war, wollten die oberösterreichischen Führer noch weiter kämpfen und auch noch die Nibelungenbrücke sprengen lassen. Nur mühsam gelang es besonnen Personen, Eigruber von diesem Wahnsinn abzuhalten.

Zwei Vertreter der Stadt – Kreisleiter Franz Danzer und Dr. Rosenauer als Dolmetscher- verhandelten am 4. Mai in Rottenegg mit den Amerikanern.

Am nächsten Tag rückten um 11 Uhr die ersten Panzer der 11. Amerikanischen Division auf dem Linzer Hauptplatz ein. Der Krieg für Linz war zu Ende, aber die Stadt lag weitgehend in Schutt und Asche.

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